Berliner Pilgerportraits: Grit Ott

10 Mrz

Vorwort von uns Hospitaleros: Wir möchten mit diesem Pilgerportrait von Grit eine Reihe beginnen, in der wir Pilger aus unserer Pilgerherberge im Alltag hier in Berlin vorstellen. Grits Geschichte ist mir (Gabriele) sehr ans Herz gegangen und ich freue mich sehr, dass wir sie bei uns haben und sie so weiterhin am Camino teilhaben lassen können! Weitere Portraits werden sicherlich folgen. Da Grit Autorin ist, schreibt sie natürlich selbst.

Grit Ott

Ich heiße Grit Ott, bin 63 Jahre alt und von Beruf Beschäftigungstherapeutin für behinderte Menschen. Nach der Pensionierung meines Mannes vor einem Jahr konnten wir nun endlich in mein geliebtes Berlin zurückkehren – die letzten 15 Jahre zuvor habe ich mit ihm in Wiesbaden gelebt.

Eines meiner Lieblingshobbies ist neben dem Reisen das Musikmachen. Ich spiele in einer Irish Folk Gruppe sowie noch in einer anderen Band. (www.singadream.com)

Grit Ott mit Whistle

Um euch zu erzählen weshalb ich gepilgert bin, muß ich allerdings bis in meine Kindheit zurückgehen::

Grit Ott: Mein süßes Leben

Ich habe mit 8 Jahren Diabetes bekommen und die Ärzte waren damals der Meinung, daß zuckerkranke Kinder nicht älter als 30 werden würden…Solch düstere Prophezeiungen haben sich Gott sei Dank nicht erfüllt – allerdings erwischten mich die Spätfolgen dieser Krankheit mit 50 Jahren am Herzen und es wurden mir deshalb 3 Bypässe gelegt. Ich bin jedoch von Natur aus ein ziemlich zähes „Stehauf – Frauchen“ und so konnte ich ein paar Monate später schon wieder in meinen geliebten Bergen herumgekraxeln:-))

Grits Buch: Vom Hoch und Tief des süßen Lebens

Im Lauf der Zeit wuchs in mir eine unendliche DANKBARKEIT, daß ich entgegen sämtlicher miesen Prognosen immer noch lebte – und wie ich fand, gar nicht mal so schlecht! Kurz vor meinem 60. Geburtstag hatte ich das tiefe Bedürfnis, diesem Gefühl in irgendeiner Weise ein Zeichen zu setzen und so entstand dann nach langem Überlegen die Idee, mich auf den Jakobsweg zu begeben. Den Spuren der Pilger zu folgen, die diesen endlos langen Weg bereits im Mittelalter beschritten hatten, fand ich ganau passend und ungeheuer spannend.

Grit auf dem Camino kurz vor Rabanal

Mein Mann hat mich dazu von Anfang an ermutigt (er war jedoch heilfroh, das von zu Hause aus tun zu können:-)) Meine Freunde fanden diesen kühnen Plan von „verantwortungslos bis „genial“. Einige von ihnen wären am liebsten mitgekommen, doch ich wollte den Camino ganz bewußt alleine gehen – mich durch nichts und niemanden ablenken lassen! Und so bin ich dann – nachdem mir mein Diabetologe sowie auch der Kardiologe „grünes Licht“ gegeben hatten – am 26. August 2008 von Saint Jean Pied de Port aus über die Pyrenäen losgezogen…

Es gab auf dem Camino außer der wunderschönen Natur noch mehrere „Highlights“. Dazu zählen eindeutig die beiden Übernachtungen im Freien – es ist einfach unbeschreiblich, unter dem Sternenhimmel zu schlafen…, das Musikmachen unterwegs mit anderen Pilgern (ich hatte meine kleine irische Tin-Whistle immer griffbereit:-)) sowie natürlich die ersehnte Ankunft in Santiago!

Ich war zugegebenermaßen noch nie ein tief gläubiger Mensch. Dieser Camino hat mir jedoch eine ganz andere Sichtweise eröffnet und ich hatte merkwürdigerweise von Anfang an das Gefühl, auf diesem Weg „geborgen“ zu sein – eine innere Gewissheit, daß mir nichts passieren würde…Der Existenz von Schutz-engeln bin ich mir jetzt z.B. völlig sicher und ich habe mich meinem Schöpfer noch nie so nah gefühlt wie in diesen 6 Wochen…

Grit am Kreuz kurz vor Astorga

All die intensiven Begegnungen und Erlebnisse unterwegs haben mir sehr viel Kraft gegeben, von der ich heute noch zehren kann. Und das ist auch gut so, denn ich habe mir kurz darauf eine autoimmune Leber-Erkrankung zugezogen, bei der das dauerhaft einzunehmende Medikament solche Nervenschmerzen in den Beinen + Füßen verursacht, daß an einen weiteren Jakobsweg wohl nicht mehr zu denken ist!

Zuerst war das natürlich ein ziemlicher Schock für mich, aber der ständige Kontakt zu den lieben Leuten aus dem Pilger-Forum läßt mich ja immer „am Ball bleiben“ und ich hefte mich im Gedanken einfach an ihre Fersen:-))

Außerdem gibt es ja nun seit Januar hier in der Hauptstadt diese „Pilgerherberge im Alltag“, zu deren Entstehung ich euch nur beglückwünschen kann, liebe Gabriele und Santiago! Auch hier habe ich mich vom ersten Moment an wohlgefühlt und das Konzept – nämlich etwas von der Hilfe und Gastfreundschaft, die man auf dem Camino erfahren hat, an andere weiterzugeben –  finde ich toll!

Deshalb freue ich mich schon jetzt darauf, bei uns zu Hause auch mal ein oder zwei Pilger auf der Durchreise beherbergen zu können und wer weiß, vielleicht wird ja eines Tages tatsächlich mal ein richtiges „Projekt Pilgerherberge in Berlin“ daraus? Also packen wir’s an!

Bisher sind drei Bücher von mir erschienen, die alle Mut machen sollen, sich trotz chronischer Krankheiten niemals unterkriegen zu lassen und das Leben jeden Tag aufs Neue als ein kostbares Geschenk zu sehen

Grit Ott: So weit mein Herz mich trägt

„Mein süßes Leben“,

„Vom Hoch und Tief des süßen Lebens“,

„So weit mein Herz mich trägt – Stolpersteine einer Diabetikerin auf dem Jakobsweg“

Nächster Diavortrag über meinen Camino:

Am 17. März um 18.00 in Wuppertal: Bürgerforum Heckinghausen, Heckinghauser Str. 197

Am 27. Mai um 19.00 in Berlin – Friedenau, Gemeindesaal der Philippus-Kirche, Stierstr. 18

Und noch ein paar Links:

Grits Hompage: http://www.grit-ott.com/

Hompage der Insuliner:  http://www.insuliner.de/insublog/wordpress/

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Eine Antwort to “Berliner Pilgerportraits: Grit Ott”

  1. glowi 10. März 2011 um 22:54 #

    Eine der besten frühzeitigen Ideen des Pilgerforums war die Verlegung vom ersten auf den zweiten Freitag im Monat, weil wir Grit immer dabei haben wollten. Ich bekenne, dass ich zwei ihrer Werke (insbesondere natürlich „soweit mein Herz mich trägt“) schon vorher gelesen hatte. Es ist faszinierend, wenn man sich ein Bild eines Autors macht, ihn dann kennenlernt und feststellen muss, dass er tasächlich so ist, wie er sich selbst beschrieben hat. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das bei Promis oft nicht der Fall ist und das Kennenlernen dann enttäuschend ausfällt (`tschuldigung Hape).
    Grit ist das Sahnehäubchen in unserer Pilger-Mitte.

    Liebe Grit, leider werde ich Dir nicht das zurückgeben können, was ich bereits jetzt aus Deinen Werken und persönlichen Berichten für mich erfahren durfte. Dafür hast Du einen festen Platz in meinem Pilgertagebuch und in meinem Herzen.
    Du wirst es vielleicht lieber als Schicksal umschreiben wollen, dass wir und kennengelernt haben, ich danke dem Herrn dafür.

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